Wie wäre es mit Realismus statt Panik?

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass das Schreckensszenario einer globalen Pandemie, ausgelöst durch den Corona-Virus, zu Angst und Panik führte. Ein Lockdown war die Folge. Und was hat sich seitdem geändert? Wie sieht unsere Antwort heute auf die Bedrohung durch das Virus aus?

Ich selbst war im vergangenen Frühjahr in Japan als von Jetzt auf Gleich sämtliche Flugverbindungen gekappt wurden. Aus der Distanz konnte ich beobachten, wie die blanke Angst, die Furcht vor dem Kontrollverlust das Handeln der Verantwortlichen und das Leben der Einzelnen zu bestimmen begannen.

Schon damals sagte mir ein Professor der Sophia-Universität in Tokyo im Vertrauen, dass er den Virus als längst überfälliges Korrektiv ansehe. Auch mir persönlich bekannte ältere Mediziner äußerten sich ähnlich. Es hat und habe in der Geschichte der Menschheit schon immer verheerende Seuchen gegeben. Doch der Mensch in seiner Hybris meinte, über der Natur zu stehen und alles kontrollieren zu können. Dieses kleine Corona-Virus, welches sich – wie wir heute wissen – über feinste Aerosole in der Luft verbreitet erschütterte diese Vorstellung in ihren Grundfesten. Die Folgen sehen wir noch heute.

Bisher sind an oder mit Covid-19 weltweit rund 2,8 Millionen Menschen verstorben. Das ist eine sehr Zahl an Pandemie-Toten in den letzten 100 Jahren, doch längst nicht die höchste Zahl.
Die Schweinegrippe 2009 und 2010 forderte schätzungsweise „nur“ zwischen 150.000 und 570.000 Tote.
In den Jahren 2000-2019 starben weltweit 14,76 Millionen Menschen an Aids/HIV.
Die spanische Grippe 1918-1920 kostete rund 50 Millionen Menschen das Leben.
Die Beulenpest forderte in den Jahren 1347-1351 schätzungsweise 200 Millionen Menschenleben.
Allein im Laufe des 20. Jahrhunderts starben schätzungsweise 400 Millionen Menschen an Pocken und 97 Millionen Menschen an Masern.
Einen interessanten Überblick zu historischen Pandemien finden Sie hier.

Dennoch liegt die letzte große Pandemie in der öffentlichen Wahrnehmung und im heutigen Fortschrittsglauben so weit zurück, dass der Kontrollverlust in Wahrnehmung alles überwiegt.

Ohne verharmlosen zu wollen: Die Corona-Pandemie ist bei weitem nicht so tödlich wie andere Seuchen. Durch die Corona-Pandemie sind bei weitem nicht so viele Menschen verstorben wie durch andere Pandemien. Das sind Tatsachen, die problemlos nachprüfbar sind.

Doch der Kontrollverlust wiegt mehr. Menschen sterben an einer neuen Krankheit, für die es kein Medikament gibt und mit der man sich scheinbar sehr leicht und unbewusst anstecken kann. Dabei wird verkannt, dass wohl nur in den allerseltendsten Fällen Ansteckungen bewusst erfolgen. In der Regel steckt man sich immer unbewusst an, wobei man das Risiko einer Ansteckung durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen deutlich reduzieren kann.

Eine in unserer Zeit verdrängte Tatsache ist auch, dass das Sterben zum Leben gehört. Mit der Geburt, fängt das Sterben an. … Eine brutale Wahrheit. Doch der Tod gehörte für viele nicht mehr zum Leben dazu. Gestorben wurde nicht mehr daheim in der Familie sondern anonym im Altenheim oder im Krankhaus. Unfalltote bei Verkehrsunfällen wurden zwar wahrgenommen – aber es waren bedauerliche Einzelfälle, die eben dazu gehören. Akzeptiertes Risiko sozusagen.

Der unheimliche neue Corona-Virus war und ist eine große neue Unbekannte, die alles auf den Kopf stellt, die unser Leben völlig durcheinander bringt.

Dass es uns wohl aufgrund der Mutationsfreudigkeit des Corona-Virus und der schleppenden Impf-Fortschritte einerseits sowie der mangelnden Impf-Bereitschaft andererseits und den nicht ausreichend vorhandenen Impfstoffen einmal ganz abgesehen in abseharer Zeit nicht gelingen wird, den Virus wieder aus der Welt zu schaffen, sollte mittlerweile bei jedem angekommen sein.

Deshalb erscheint es dringend angebracht, Ideen und Konzepte zu einem Leben mit dem Virus zu entwickeln anstatt weiter davon zu träumen, dass es gelingen könnte, das Virus in kürzester Zeit in die Bedeutungslosigkeit zu drängen.

geschrieben von: Neues Unterhaltsames Interessantes von Budoten am: 2.04.2021
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