Angst im Training

Ich habe ein bisschen Angst, getroffen zu werden, da ich in meinen Anfänger-Tagen einmal selbst sehr hart getroffen wurde. Zugleich möchte ich aber auch selbst meinen Partner im Training nicht zu hart treffen oder ihn gar zu verletzen. Deshalb halte ich lieber einen etwas zu großen Abstand zu meinem Partner. Ich weiß, dass mein Trainer dies nicht akzeptiert und von mir mehr Einsatz fordert. Was kann ich tun?

Angst ist ganz sicher niemals ein guter Ratgeber. Ganz im Gegenteil! Angst lähmt uns. Niemals beflügelt Angst zu Höchstleistungen. Selbst wenn wir durch Furcht getrieben mitunter so schnell rennen können, wie noch nie in unserem Leben, so ist dies nicht eine Leistung, die auf eine Entscheidung des Willens zurückgeht, sondern vielmehr auf den auch uns noch zu findenden Fluchtinstinkt. Es ist also keine Entscheidung des Willens, sondern eine unbewusste Steuerung durch unseren Instinkt.

In Bezug auf die Angst getroffen zu werden, wird man lernen müssen, dass Kampfsport auch zu Verletzungen führen kann. Verletzungen oder getroffen zu werden wiederum können ein Ansporn dafür sein, es beim nächsten Mal besser zu machen. Um es ganz klar zu sagen: Wenn wir uns die Frage beantworten, warum wir in einer bestimmten Situation getroffen wurden, werden wir uns ehrlichweise eingestehen werden, dass wir etwas falsch gemacht haben oder (noch) nicht gut genug waren.

Diese ehrliche Antwort wiederum kann und muss Antrieb dafür sein, es beim nächsten Mal besser zu machen. Die ehrliche Analyse von Fehlern und Unzulänglichkeiten wird immer dazu führen, nach Lösungen zu suchen und im Ergebnis der daraus folgenden Bemühungen, die zuvor vorhandenen Unzulänglichkeiten zu überwinden.

Insofern können Misserfolge und schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit die Triebfeder für den eigenen Fortschritt, den Erfolg in der Zukunft sein.

Ein altes japanisches Sprichwort sagt: „Nana korobi, ya oki.“ (Wenn du sieben Mal hinfällst, musst du acht Mal aufstehen.) Es geht im Ergebnis immer darum, nicht an einem Misserfolg zu verzweifeln und sich selbst und das eigene Schicksal zu beklagen, sondern die Schwäche in Stärke zu verwandeln, indem man eben nicht liegenbleibt, sondern aufsteht und trotzdem weitermacht, darauf bedacht, die Fehler der Vergangenheit künftig nicht mehr zu wiederholen.

Tatsächlich helfen uns Misserfolge mehr voranzukommen, als Erfolge. Ein Erfolg bietet ein schönes Gefühl für den Augenblick, ein Erfolg ist die Belohnung für harte Bemühungen. Doch dieser eine Erfolg bringt uns nicht wirklich weiter, wenn wir uns auf diesem Erfolg ausruhen. Wenn etwas schief geht, wenn einmal etwas nicht so klappt, wie wir es uns vorgestellt haben, wird uns dies weit mehr helfen, es beim nächsten Mal besser zu machen, wenn wir nicht liegen bleiben und alles daransetzen, den Fehler zu finden und auszumerzen. So können wir unsere Schwäche in einer bestimmten Situation in Stärke verwandeln und daran wachsen.

Das zweite Problem, die Angst jemanden zu verletzen, ist in ihrem Grundansatz gar nicht so verkehrt. Allerdings sollten wir das Wort „Angst“ besser durch ein positiv besetzteres Wort ersetzen. Es geht ja nicht darum, dass wir Angst im klassischen Sinne hätten, den anderen zu treffen, weil wir die Folgen fürchten, sondern weil wir den Partner aus innerer Überzeugung heraus nicht verletzen wollen. Dieser Denkansatz führt auch zu einer neuen Perspektive. Während die Angst nämlich ein Fortkommen verhindert, kann der Vorsatz, den Partner nicht zu verletzen den Fortschritt sogar beflügeln.

Angst, den anderen zu treffen und dadurch zu verletzen, wird immer dazu führen, dass ein zu großer Abstand gewählt wird. Ein zu großer Abstand hat in der Folge gleich mehrere nachteilige Folgen: Weder lernt man die Distanz jemals richtig einzuschätzen noch überhaupt weit genug an den Gegner heranzukommen, um im Fall der Fälle mit einer Technik auch treffen zu können. Deshalb darf die Angst niemals im Training bestimmend werden.

Der richtige und positive Ansatz wäre, den richtigen Abstand zu lernen. Wenn ich den richtigen Abstand kenne, weiß ich auch wie weit ich vorgehen muss, um zu treffen oder wie weit ich vorgehen kann, um meine Technik genau einen Fingerbreit vor dem eigentlichen Ziel enden zu lassen. Genau darum geht es bei dem im klassischen Karate praktizierten Konzept von Sun-Dome. Häufig wird von Leuten, die Sun-Dome nichts verstehen fälschlicherweise argumentiert, dass die Karateka ja nur in die Luft schlagen würden und sie ihre Technik abstoppen.

Wenn die Technik abgestoppt wird, ist dies tatsächlich ein Fehler! Bei Sun-Dome wird das Ziel entsprechend um ein Sun (ungefähr eine Breite von 3 Fingern) vorverlagert. Beispielsweise befindet sich der Solarplexus im Körper. Wird das Ziel um ein Sun vorverlagert und endet die Technik dort, so ist ein risikofreies Training möglich ohne dass darunter die Wirkung oder Effektivität der Technik leiden würde, denn es wird gerade kein Schlag in die Luft ausgeführt, sondern ein konkretes Ziel mit einer konkreten Technik mit dem richtigen Abstand angegriffen und zwar exakt mit der Kraft, mit der auch das eigentliche Ziel angegriffen worden wäre. Das Einzige was eine unter dem Konzept des Sun-Dome von einer Technik ohne Sun-Dome unterscheidet ist die Wirkung der Technik, die es bei Sun-Dome nicht geben kann.

Eine Technik einfach durchzuziehen und den Gegner / Partner damit irgendwie zu treffen ist nicht einfach. Im Vergleich zu dem richtig angewendeten Konzept des Sun-Dome aber ist es sehr einfach eine Technik durchzuziehen. Das Durchziehen einer Technik erfordert nämlich keinerlei wirkliche Kontrolle. Die Hauptsache dabei ist ja gerade, irgendwie (und das möglichst hart) zu treffen. Beim Sun-Dome hingegen wird die gleiche Härte und Entschlossenheit der Technik gefordert, allerdings kombiniert mit der dazu erforderlichen Kontrolle. Diese Kontrolle wiederum verlangt, dass die Technik weder zu weit entfernt noch im eigentlichen Ziel endet. Vielmehr muss die Technik genau im um ein Sun vorverlagerten Ziel enden und dort ihre gesamte Kraft entfalten. Wenn dies gegeben ist, dürfte ebenfalls nachvollziehbar sein, dass das Wort „Abstoppen“ etwas gänzlich anderes meint und dem Konzept des Sun-Dome nicht gerecht wird. Mehr noch: Trotz der Einhaltung des Abstands von ein Sun zum eigentlichen Ziel sollte der Karateka in der Lage sein, die Technik erforderlichenfalls auch noch ein kleines Stück fortzuführen, um auch das eigentliche Ziel treffen zu können.

Wenn man dies berücksichtigt, wird klar, dass weit mehr technische Fertigkeiten und weit mehr Körperbeherrschung erforderlich sind, eine Technik im richtigen Abstand (ein Sun) vor dem eigentlichen Ziel enden zu lassen, als den Anderen einfach irgendwie zu treffen. Es bedarf hierbei nämlich nicht nur der Kraft für die Effektivität der Technik sondern auch des richtigen Abstands und des dazugehörigen Augenmaßes, um den richtigen Abstand einschätzen zu können und selbst mit einem oder zwei Schrittten den Gegner korrekt mit einem Sun Abstand zunm eigentlichen Ziel zu treffen.

Das richtige Üben von Techniken unter Beachtung des Konzepts des Sun-Dome führt zu mehr Selbstvertrauen einerseits und noch wichtiger zu einer besseren Einschätzung der persönlichen Distanz für die Ausführung einer Technik. Eine Technik die mit einem zu nahen oder zu weiten Abstand zum Ziel ausgeführt wird, büßt zwangsläufig erheblich an Effizienz ein. Wenn man seinen eigenen Abstand kennt, weiß man auch, wie weit man vorgehen kann/muss um die Technik effektiv ins Ziel zu bringen. Diesen Abstand speichert der Körper gewissermaßen ein, so dass der Abstand im Laufe der Zeit unbeeinflusst vom eigenen Willen in Abhängigkeit von der jeweils auszuführenden Technik automatisch richtig gewählt wird.

Mit der Fähigkeit, die Technik korrekt ausführen zu können und dabei auch in jedem Fall immer den richtigen Abstand zu wählen, kann letztlich auch die Angst, den anderen vielleicht zu verletzen, überwunden werden. Denn von nun an lähmt nicht mehr die Angst unsere Bemühungen sondern unsere Bemühungen werden durch das Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten auch erfolgreich sein. Nicht nur können wir uns jetzt voll auf die technischen Schwierigkeiten konzentrieren, auch haben wir nun den Kopf frei, um uns auf die sich ergebenden Situationen frei reagieren zu können, vor allem frei von der Angst, den anderen vielleicht zu verletzen.

geschrieben von: Neues Unterhaltsames Interessantes von Budoten am: 7.09.2021
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Kategorien: Budo Karate
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