Waffen zur Selbstverteidigung

Kann man mit Waffen Frieden schaffen? Vielleicht, zumindest ist manchmal Gewalt der einzige Weg, um ausgeübter Gewalt Einhalt zu gebieten.

Ausgangspunkt meiner Überlegungen war allerdings die Anfrage, ob es Waffen zur Selbstverteidigung gäbe. Ich möchte meinen: Nein. Es liegt in der Natur von Waffen, dass diese nicht nur zur Verteidigung sondern auch zum Angriff eingesetzt werden können. Andererseits können aber auch Alltagsgegenstände zur Waffe werden.

Eine Waffe allein mag vielleicht der Abschreckung dienen. Die Möglichkeit zur Selbstverteidigung schafft die Waffe selbst nicht.

Ich persönlich bin der Ansicht, dass allen Hilfsmitteln richtiges Verhalten, das bedeutet insbesondere Meiden gefährlicher Gegenden und potentieller Gefahren-Situationen sowie ein gesundes Selbstvertrauen sowie selbstsicheres Auftreten vorzuziehen ist. Hilfsmittel haben soweit sie nicht nur der passiven Sicherheit (wie z.B. ein Taschenalarm) dienen, einen entscheidenden Nachteil: Sie können ebensogut gegen den Nutzer eingesetzt und somit statt zum Schutz zur Gefahr werden.

Hilfsmittel mögen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Dafür müssen diese Hilfsmittel aber auch mitgeführt werden. Ob diese dann aber in der konkreten Gefahrensituation auch erreichbar und einsetzbar sind, ist eine andere Frage. Dazu kommt eine bei vielen Menschen vorhandene Hemmschwelle, diese Hilfsmittel einzusetzen, denn dies bedeutet zwangsläufig auch, dass das Gegenüber verletzt wird.

Besser als jedes Hilfsmittel sind eigene Fertigkeiten. Wer sich zu verteidigen weiß, wer weiß, wie man Gefahrensituationen meidet oder gefährliche Situationen entschärft, der ist nicht auf Hilfsmittel angewiesen.

Selbstverteidigungskurse suggerieren oft ein Gefühl von Sicherheit. Im Training funktionieren die trainierten Techniken, weil der „Partner“ mitspielt. In der Realität sieht dies anders aus. Kurse sind meist auf wenige Tage oder Wochen ausgelegt. In solch kurzer Zeit kann man aber keine solche Sicherheit erlangen, die der effektive Einsatz der erlernten Techniken im Ernstfall aber erfordert. Wenn man sich in einer Stress-Situation, wie sie ein tatsächlicher tätlicher Angriff darstellt, überhaupt noch an einige grundlegende Dinge erinnern kann so ist dies schon als fast außergewöhnlich zu bezeichnen. Damit im Fall der Fälle überhaupt „richtig“ reagiert werden kann, wird ein längeres und regelmäßiges Training unerlässlich sein. Damit sich eine gewisse Routine einstellt und Techniken im Ernstfall automatisiert ablaufen können, sind rund 70.000 Wiederholungen erforderlich. Dies kann kein Kurs bieten.

Ich bin davon überzeugt, dass der richtige Umgang mit Gewalt nur durch Training erlernt werden kann. Wer lange Zeit Kampfsport oder Selbstverteidigung trainiert, weiß was er kann und wie er sich verhalten muss und was eine Technik bewirken kann. Dies vermittelt Selbstvertrauen und gibt Sicherheit. Das eigene Können, die eigenen Fähigkeiten kann uns – anders als Hilfsmittel – niemand wegnehmen oder gegen uns einsetzen. In allererster Linie ist ein tätlicher Angriff, gegen den man sich zur Wehr setzen muss, eine Kopfsache: Kann man mit der Situation richtig umgehen oder wird man „kopflos“?

Hilfsmittel mögen ein Gefühl von Sicherheit geben. „Ich könnte ja, wenn ich wollte …“ Zugleich haben Hilfsmittel aber auch eine dunkle Kehrseite: Sie vermitteln eigentlich schwachen Menschen ein Gefühl der Überlegenheit, was wiederum auch den Missbrauch dieser Hilfsmittel fördert. Dem wollen Sie mit Ihren Beiträgen sicherlich keinen Vorschub leisten. Natürlich mag man einwenden, dass auch Kampfsporttraining dazu führen kann, dass die erworbenen Fähigkeiten in böser Absicht eingesetzt werden. Dabei möge man aber eines bedenken: Ein Hilfsmittel kann gekauft und sofort (mehr oder weniger geschickt) verwendet werden. Viele verlassen sich bei der Verwendung von Hilfsmitteln auf die „Kraft“ des Hilfsmittels und verstehen nicht, dass das Hilfsmittel nur so effektiv ist, wie sie selbst.

Bis man durch Kampfsporttraining seine Fähigkeiten so weit entwickelt hat, dass man keinen Konflikt mehr zu scheuen braucht, benötigt es viel Jahre geduldigen Trainings. Diese Geduld bringen viele nicht auf und schon gleich gar nicht, wenn es nur darum geht, diese Fähigkeiten in böser Absicht zu verwenden. Dazu kommt ein anderer wichtiger Aspekt: Jeder verantwortungsvolle Trainer und Lehrer wird darauf achten, keine Gewaltbereitschaft zu fördern sondern im Gegenteil die Verantwortung gegenüber dem Trainingspartner und Mitmenschen in den Mittelpunkt stellen. Dadurch erwirbt der Übende zwar Fähigkeiten, die ihn in die Lage versetzen, sich erfolgreich zu verteidigen, zugleich aber wird er seine Fähigkeiten mit Bedacht und nur dann einsetzen, wenn es gilt, Leben oder Gesundheit zu schützen.

Kein Hilfsmittel macht den Verwender stärker. Hilfsmittel sind Werkzeuge. Wer mit einem Werkzeug nicht umzugehen versteht, der wird selbst mit den besten Werkzeugen keine guten Resultate erzielen können. Das ist in der Selbstverteidigung nicht anders. Nur wer die Selbstverteidigungs-Waffen richtig einzusetzen versteht, wird ihre Möglichkeiten auszunutzen können und nur dann werden sie auch helfen können.

Ich persönlich sehe beim Mitführen von Waffen in erster Linie folgende Gefahren:
1. die Gefahr, dass diese auch widerrechtlich eingesetzt werden
2. die Gefahr, dass der die Waffe Mitführende sich der Strafverfolgung wegen Verstoß gegen das Waffengesetz aussetzt

Der Nutzen, den man sich von Waffen verspricht, ist demgegenüber sehr gering. Ich erinnere mich noch gut an Rob Zwartjes, Karate-National-Trainer der Niederlande. Er sagte einmal, dass es sich nicht lohne, Selbstverteidigung zu trainieren, denn die Wahrscheinlichkeit in die Verlegenheit zu kommen, Karate im Ernstfall auch einmal einsetzen zu müssen, ist äußerst gering und liegt bei deutlich unter 0,… Prozent. Ähnlich äußerte sich auch Nakayama Sensei, langjähriger Chef-Trainer der Japan Karate Association. Er sagte in einem Interview in den USA: Wenn es um Selbstverteidigung, so brauche man nicht jahrzehntelang trainieren. Besser sei es, sich die modernste Waffe zu besorgen, die es gibt. Es bliebe dann nur ein Problem: Wenn man die Waffe einsetzt, landet man im Gefängnis.

Wer eine Waffe mitführt, hat für sich bereits die grundsätzliche Entscheidung getroffen, diese ggf. auch einzusetzen. Vom bloßen Mitführen hin zum tatsächlichen Einsatz ist es dann oft nur ein kleiner Schritt. Waffen schaffen nicht mehr Sicherheit. Sie vermitteln vielleicht persönlich ein Sicherheitsgefühl, doch ist dieses Gefühl sehr trügerisch. Eine Waffe besitzen und eine Waffe effektiv einsetzen zu können, sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.

geschrieben von: Neues Unterhaltsames Interessantes von Budoten am: 17.02.2018
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Kommentare

Super Beitrag – wird von vielen absolut vergessen! Beispiel: Pfefferspray – Hauptsache dabei, aber wie das Ding in einer Notsituation funktioniert? Keine Ahnung *lach*
Was hältst du von dem Thema „Selbstverteidigungskurse“? Bringen die was oder eher nicht?

Ob ein Selbstverteidigungskurs etwas bringt oder nicht hängt von vielen Faktoren ab: Konzept des Kurses, Kompetenz des Kursleiters, Einsatz- und Lernbereitschaft der Teilnehmer. Insofern sind pauschale Aussagen sehr schwierig. Fakt ist jedoch, dass ein Kurs allein wohl nicht reichen dürfte. Um Reaktionen zu automatisieren ist intensiven Training unerlässlich. Wissenschaftler sprechen von 70.000 Wiederholungen bis ein Ablauf soweit gefestigt ist, dass er quasi automatisiert ablaufen kann. Dies kann auch der beste Kurs nicht vermitteln.

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