Trinken während des Trainings

Man drinking water against blue skyIn vielen Fitness-Centern und Sportvereinen, auch während des Sportunterrichts in Schulen bringen sich die Teilnehmer ihre Trinkflaschen mit, um sich ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen und das Flüssigkeitsdefizit des Trainings welches vor allem durch Schwitzen entstanden ist, zeitnah auszugleichen.
Ich selbst komme aus dem klassichen Karate. Trinken während des Trainings kam nie in Frage und das selbst nicht während der langen schweißtreibenden vierstündigen Trainingseinheiten in der Trainer-Klasse. Unser Meister betrachtete das Trinken während des Trainings als Schwäche. Man darf nicht allen Neigungen immer sofort nachgeben, sondern muss auch lernen hart zu sein. Wer hart gegen sich selbst ist, hat auch das Recht hart gegen andere zu sein. Wer viel von sich selbst fordert, kann mit gutem Gewissen auch von anderen viel fordern. Kein Training ist lang genug, um aufgrund des vorübergehenden Flüssigkeitsverlustes körperliche Schäden zu erleiden. Insofern ist seiner Ansicht nach das Trinken während des Trainings ein Zeichen von Schwäche.

Für mich selbst stellte sich die Frage nach dem Trinken während des Trainings nie. Jede Unterbrechung des Trainings bedeutet Zeitverlust, Zeit die für das Festigen der Techniken am Ende fehlt. Trinken ist letztlich eine andere Art, sich eine Pause zu verschaffen, während man vorgibt, seiner Gesundheit zuliebe zu handeln.
Überrascht war ich dann als vor einigen Jahren Naka Sensei in Berlin einen Lehrgang leitete und mitten im Training eine Pause eingelegt wurde. Jeder solle etwas trinken und dann rasch wieder an seinen Platz zurückkehren. Nicht nur aufgrund der Vielzahl der Trainingsteilnehmer dauerte dies länger als von Naka Sensei geplant. Jeder nutzte die willkommene Pause, um sich so lange wie möglich zu erholen. In Japan stellte ich dann fest, dass zumindest in den von Naka Sensei betreuten Dojos eine Trinkpause ebenso völlig normal war. Zugegeben: Eine Trinkpause im Training während des schwülheißen japanischen Sommers war eine sehr willkommene Abwechslung und vermutlich auch dringend geboten, wollte man vermeiden, dass der eine oder andere Trainingsteilnehmer aufgrund des extrem hohen Flüssigkeitsverlusts ohnmächtig wurde. Nicht zuletzt gab diese kurze Trinkpause neue Kräfte für die zweite Hälfte des im Vergleich zur ersten Hälfte nicht minder anstrengenden Trainings. Doch Naka Sensei hält diese Trinkpausen nicht nur im Sommer ein sondern es gibt sie auch im Frühling oder im Winter …
Was ist nun besser: Trinkpause oder keine Trinkpause? Wenn selbst in Japan zumindest in einigen Dojos Trinkpausen nicht unüblich sind – warum müssen wir dann japanischer sein als die Japaner und Trinkpausen rundheraus ablehnen?
Ich denke, es gibt durchaus gute Gründe, die für eine Trinkpause sprechen.
Gerade in besonders fordernden Trainingseinheiten verliert der Körper extrem viel Flüssigkeit. Dies wiederum wirkt sich direkt auf die Leistungsfähigkeit aus, denn bedingt durch den Flüssigkeitsverlust wird das Blut dicker und fließt langsamer, was wiederum eine schlechtere Sauerstoffversorgung des Körpers zur Folge hat. Im Ergebnis sinkt die körperliche Leistungsfähigkeit beträchtlich und auch die geistige Aufnahmefähigkeit nimmt ab. Diese Folgen des Flüssigkeitsverlustes können durch Trinkpausen kompensiert werden und erlauben so ein Maximum an Power bis zum Ende des Trainings. Insofern sind Trinkpausen auch dem Trainingsziel, nämlich der Verbesserung der eigenen Technik, förderlich.
Andererseits unterbrechen Trinkpausen das Training. Die willkommenen Pausen zur Erholung für die Trainierenden reduzieren die für das eigentliche Training zur Verfügung stehende Zeit und nicht zuletzt hat der Trainer die tatsächliche Dauer der Trinkpausen nicht wirklich unter Kontrolle, denn nicht wenige seiner Schützlinge versuchen die Pause so lang wie möglich zu gestalten, um den Erholungseffekt zu maximieren, bevor sie wieder geschleift werden. – Eine durchaus verständliche Reaktion.
Doch darüber hinaus spricht noch mehr gegen Trinkpausen. Der Körper ist durchaus in der Lage, den Flüssigkeitsverlust für eine gewisse Zeit zu kompensieren. Natürlich geht dies mit einer verminderten körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit einher, doch ist der Flüssigkeitsverlust gerade in unseren Breiten nie so groß, dass ernstliche körperliche Schäden zu befürchten wären oder der Trainierende gar aufgrund des Flüssigkeitsverlustes ohnmächtig wird. Ein japanischer Freund erzählte mir, dass im Sommer viele Kendoka im Training einfach umkippten, weil der Hitzstau unter ihrer Rüstung verbunden mit dem enormen Flüssigkeitsverlust im Training irgendwann zur Bewusstlosigkeit führt … Nun – dies rechtzeitig zu erkennen und dem vorzubeugen ist aus meiner Sicht Aufgabe eines verantwortungsbewussten Lehrers. Dennoch käme keiner der Kendoka auf die Idee, Trinkpausen oder zusätzliche Pausen einzufordern. Dies extremen Situationen sind „normaler“ Teil des Trainings auf Kyushu, wie mir mein Freund versicherte.
Mein Lehrer betont, dass es wichtig sei, auch unter extremen Bedingungen zu trainieren. Der Flüssigkeitsverlust im Training ist enorm und eine erhebliche Belastung für den Organismus – keine Frage. Andererseits aber lernt der Schüler dadurch die wahren Grenzen seiner Leistungsfähigkeit kennen. Niemand, der Trinkpausen einlegt, kann von sich behaupten, dass er ein Training ohne Pausen durchgestanden habe. Nicht zuletzt kann man sich in einem echten Kampf auch nicht zwischendurch mal kurz eine Pause gönnen. Eine Pause zeugt von Schwäche. Wer im echten Kampf eine Pause einlegt, hat den Kampf verloren. Insofern stählt ein hartes Training ohne Trinkpausen den Körper auch. Der Trainierende lernt, dass die scheinbaren körperlichen Grenzen längst nicht seine wirklichen Grenzen sind und er noch weit mehr zu leisten in der Lage ist. Dem Bestreben, Trinkpausen einzulegen, sich eine Ruhepause zu gönnen zu widerstreben, formt den Charakter. Es macht den Trainierenden hart, hart gegen sich selbst. Das Training im Kampfsport ist gerade nicht nur ein körperliches, sondern auch ein geistiges Training. Wer immer gleich aufgibt, seinen Neigungen nachgibt, lernt nicht, gewissen Wünschen zu widerstehen oder sich den Widrigkeiten des Lebens zu stellen. Auch dies ist ein wichtiger Aspekt im Training, der leider oft vergessen wird.
So wie es durchaus vernünftige Gründe gibt, Trinkpausen zuzulassen, gibt es aus meiner Sicht auch ebenso gute Gründe, Trinkpausen abzulehnen. Es liegt letztlich in der Verantwortung des jeweiligen Lehrers zu entscheiden, ob er Trinkpausen zulässt oder nicht. Lehnt er Trinkpausen ab, liegt es an ihm dafür Sorge zu tragen, dass alle Schüler das Training überstehen ohne zuvor ohnmächtig zu werden.

geschrieben von: Neues Unterhaltsames Interessantes von Budoten am: 19.05.2016
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