Rassistische Geschichte?

Die Benin-Bronzen stehen für die koloniale Vergangenheit und sollen nach dem Willen politisch einflussreicher Kräfte zurückgegeben werden, um auf diese Weise Restitutionen für die Verbrechen der Kolonialzeit zu leisten. Beispielhaft zeigen sie aber zugleich auch die Ignoranz von Aktivisten, die ahistorisch argumentieren, ihre eigenen Wertvorstellungen überhöhen und im Letzten doch auch gerade deshalb unmoralisch handeln.

Die Benin-Bronzen, die von einigen Aktivisten als Raubgut von Kolonialmächten betrachtet werden, sollen zurückgegeben werden, da sie nach Ansicht der Aktivisten unrechtmäßig erworben worden seien. Vor dem Hintergrund dieser Debatte geht völlig unter, wie Teile der Benin-Bronzen überhaupt nach Deutschland gelangten.

Bekannt ist den Aktivisten vielleicht noch, dass Deutschland einst eine Kolonie in Togo hatte. Togo ist ein Nachbarland von Benin, ebenso wie Nigeria und Burkina Faso. Aber was wohl die Meisten schon nicht mehr wissen ist, dass Deutschland mit den Benin-Bronzen und deren Verbringen nach Europa überhaupt nichts zu tun hat.

1897 wurde eine britische Gesandtschaft in Benin abgeschlachtet. Als Antwort hierauf entsandte das englische Königreich eine Strafexpedition nach Benin. Dank überlegener Waffen wurde der Sieg errungen. Die Strafexpedition berichtete von unzähligen Menschenopfer, derer sie angesichtig wurde. Im Königspalast war die Leiber der Getöteten wie Holz aufgestapelt vorgefunden worden.

Die Kriegskosten waren nach damaligen Brauch von den Besiegten zu begleichen. So wurde die Hauptstadt geplündert. Alles Wertvolle wurde nach England verschifft. Auf diese Weise gelangten die Benin-Bronzen nach Europa. Das Britische Museum erhielt rund 40% der Bronzen. Die Übrigen wurden auf Auktionen veräußert. Auch Museen in Deutschland erwarben auf diese Weise eine Vielzahl von Bronzen für ihre Ausstellungen,

In 2017 wurde von Studenten in England angeregt, die Bronzen zurückzugeben. In Bezug auf Englands, dass die Bronzen unbestritten von Benin geraubt hat, dürfte eine solche Entscheidung noch in gewisser Weise nachvollziehbar sein. Doch sind auch deutsche Museen, die diese Bronzen von England käuflich erworben haben, verpflichtet, die Bronzen zurückzugeben?

Vielleicht … Doch wäre England bereit, den Kaufpreis zurückzuerstatten? Wohl sicherlich kaum, denn die Bronzen waren aus englischer Sicht rechtmäßig „angewachsener“ Besitz.

Aber man kann die Überlegungen auch einmal anders anstellen: Was wäre denn gewesen, wenn England die Bronzen nicht von Benin als Kriegsreparation nicht nach Europa verbracht hätte? Wären die Bronzen auch heute in Nigeria in Museen zu besichtigen? Stünden die Bronzen heute für ethnologische Forschungen zur Verfügung?

Ich glaube: Nein. Viel wahrscheinlicher ist doch, dass die Bronzen im Laufe der Zeit im Land geraubt und an reiche Sammler verkauft worden wären, wenn sie nicht in den verschiedenen Kriegswirren untergegangen wären. Dass sich die Bronzen noch im gleichen exzellenten Zustand befänden, wie aufgrund ihres Verbringens nach Europa, ist zumindest äußerst zweifelhaft.

Ist vor diesem Hintergrund die einseitige Anklage der einstigen Kolonialmacht England gerechtfertigt oder ist nicht auch in gleichem Maße Dank angebracht, Dank dafür, dass die Bronzen bewahrt wurden?

Die Problematik ist sehr vielschichtig und lässt sich nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten, denn auf komplexe Fragen kann es keine einfachen Antworten geben. Deshalb erscheint es wichtig, dass die oberflächliche Betrachtung der Benin-Bronzen und die Forderung nach Rückgabe einzig auf dem Wissen fußend, dass die Benin-Bronzen in der Kolonialzeit von Benin nach Europa gelangten, einer differenzierteren Betrachtung und Bewertung Platz macht.

Wenn man dann in diesem Zusammenhang in einem namhaften Museum lesen muss, dass in der Vergangenheit „rassistische Forschungen“ stattgefunden hätten …, drängt sich leider die Frage auf, wieviel davon wissenschaftliche Erkenntnis und wieviel pure Ideologie ist. Forschung mag einem Ziel dienen, jedoch ist die Forschung selbst niemals rassistisch, da Forschung als Wissenschaftsdisziplin zunächst einmal neutral ist. Dass die aus der Forschung abgeleiteten Schlüsse rassistische Tendenzen erkennen lassen, mag sein, doch dies hat mit der Forschung nichts zu tun.

geschrieben von: Neues Unterhaltsames Interessantes von Budoten am: 26.03.2022
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