Neuordnung des ärztlichen und pflegerischen Dienstes – wo steht die Debatte?

Das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz hat sein einjähriges Bestehen "gefeiert" und wie mir scheint, kommt aus pflegerechtlicher Perspektive die Diskussion um die neuen Konturen nicht nur des Berufsrechts einschließlich bedeutsamer Fragen der formellen und materiellen Ausbildung, sondern in erster Linie auch mit Blick auf die straf- und zivilrechtlichen Implikationen nicht so recht in Fahrt, mal von kurzen Statements in so manchem Editorial von Fachzeitschriften abgesehen.

Gelegentlich muss hierbei verwundern, dass vielfach den "Modellvorhaben" das Wort geredet und im Einzelfall hierüber berichtet wird, obgleich der G-BA bis zum heutigen Tage hierzu die Richtlinien, die er nach ,? 63 Abs. 3 c SGB V mit Blick auf die Übertragung ärztlicher Tätigkeiten festzulegen hat, noch nicht "verabschiedet" hat.

Indes ist in der Diskussion auffällig, dass der beabsichtigten Substitution ärztlicher Leistungen auf das Pflegepersonal nicht hinreichend getragen wird; de lege lata sieht ,? 63 Abs. 3c entsprechende Modellvorhaben vor, mit denen dann auch Rechtsfragen der Substitution und nicht (!) der Delegation zu diskutieren sind.

Hier scheint sich ein besonderer Aufklärungsbedarf eingestellt haben, da nicht immer hinreichend zwischen der Delegation und der Substitution ärztlicher Leistungen differenziert wird und so der Eindruck entstehen könnte, als seien die Rechtsfragen hinreichend mit der "Delegationsproblematik" identifiziert.

Dem ist m.E. nach nicht so, zumal einiges dafür sprechen dürfte, die beruflich Pflegenden in die vollständige haftungsrechtliche Eigenverantwortung zu entlassen. Übernimmt perspektivisch eine Berufsgruppe "neue Aufgaben" als "eigene Pflichtaufgaben", so erscheint es mir denn auch nur allzu konsequent, dass innerhalb dieses neuen Aufgaben- und damit Kompetenzprofils die straf- und zivilrechtlichen Fragen beantwortet werden müssen. Auch wenn im Übrigen die Tendenz festzustellen ist, dass sich die Haftung bei den Trägern von Gesundheitseinrichtungen konzentriert, bleibt also die Frage zu beantworten, wer nach (!) einer erfolgten Substitution genuin ärztlicher Leistungen Adressat der aus dem Gesetz oder sich nach der Rechtsprechung ergebenden pflegerischen (ehemals ärztlichen) Primärpflichten ist, mit dem notwendigerweise auch nicht selten einschneidende Rechtsfolgen verbunden sind.

Es liegt wohl nicht im (begründeten) Interesse der Ärzteschaft, dass in Modellvorhaben beruflich Pflegende einen Teil ihrer ärztlichen Aufgaben selbstständig wahrnehmen können und sollen, gleichwohl aber im Zweifel trotz dieser originären Aufgabenübertragung auf die Pflegenden im Einzelfall die Haftung übernehmen zu müssen, weil in Ausnahmefällen doch letztlich eine therapeutische Gesamtverantwortung der Ärztin oder des Arztes anzunehmen sei. Diese "Lesart" ist nicht neu, wie wir anhand einer zentralen Entscheidung des BGH zur Dekubitusproblematik aus dem Jahre 1987 ablesen können, in der dann im Zweifel doch der Arzt in die Pflicht genommen wird.

Nun – ein solches gilt es aber gerade im Rahmen einer Neuordnung der Gesundheitsfachberufe zu vermeiden und sofern als eine "Substitution" genuin ärztlicher Leistungen erfolgen wird, wird zugleich auch der Haftungsadressat zu "substituieren" sein.

Hieraus folgt dann: Die beruflich Pflegenden schulden vollumfänglich die (ärztlichen – nunmehr aber pflegerischen) Primärpflichten der Anamnese, Diagnose, Indikation und freilich der Therapie; entsprechende Aufklärungs- und Dokumentationspflichten und im Rahmen der ihnen dann zu überlassenen "Delegation pflegerischer Tätigkeiten" auch die Verantwortungsbefugnis, während demgegenüber bei den nachgeordneten pflegerischen Diensten die Durchführungsverantwortung liegt.

Das Verhältnis zwischen Arzt und beruflich Pflegenden wird durch die "Substitution" genuin ärztlicher Leistungen zu einem Kooperationsverhältnis auf gleicher Augenhöhe mit denen sich aus einer horizontalen Arbeitsteilung ergebenden Pflichten, während demgegenüber die jeweils den Ärzten und den beruflich Pflegenden nachgeordneten Dienste im Sinne einer vertikalen Arbeitsteilung nach den bisherigen (wenn auch nach wie vor umstrittenen) Rechtsregeln der Delegation zu beurteilen sind.

Allerdings könnte sich aus dem Charakter einer "Modellklausel" mit einer beschränkten Laufzeit zunächst der Schluss aufdrängen, besondere "Obliegenheiten" im Zusammenhang mit den "Modellen" walten zu lassen. Dass diese "Obliegenheiten" dann – analog einem "Forschungsmodell" – zur besonderen Pflichtenbindung des Trägers und der ggf. von ihnen eingesetzten Ärztinnen und Ärzten führen wird, die besonders zur fachlichen Aufsichtsführung bestimmt werden, erscheint mir jedenfalls für all die Fälle konsequent zu sein, in denen Pflegefachkräfte für einen zunächst befristeten Zeitraum "ärztliche Aufgaben" wahrnehmen dürfen. Hieraus ergeben sich dann im Übrigen gewichtige Schnittstellen zwischen dem "ärztlichen Direktor" und der "Pflegedienstleitung" in stationären Einrichtungen, die ggf. auch einer Harmonisierung bedürfen (vornehmlich im Krankenhaus). Zu fragen ist, ob im Rahmen der Modellvorhaben das Primat der fachlichen Expertise (einschließlich der damit verbundenen Weisungskompetenz) des Arztes überwiegt, auch wenn und soweit die nunmehr im Sinne einer Substitution zur Übertragung anstehenden ärztlichen Aufgaben gleichsam "pflegerische Aufgaben" geworden sind, die eigentlich traditionell von den Pflegedirektoren/-leitungen zu verantworten sind (mal ganz von den verschiedenen Versorgungssektoren – Krankenhaus und Alteneinrichtung – abgesehen).

Wir bleiben an dem Thema dran und werden zeitnah über die eine oder andere Stimme in der Literatur berichten.

Lutz Barth

IQB – Lutz Barth
Debstedter Str. 107, 27607 Langen
Tel. 04743 / 278 001
Internetportal: www.iqb-info.de

Quelle: openPR

geschrieben von: Neues Unterhaltsames Interessantes von Budoten am: 6.08.2009
bisher keine Kommentare

Comments links could be nofollow free.

Budoten Budoshop und Kampfsportversand

Letzte Kommentare

  • Neues Unterhaltsames Interessantes von Budoten: Nun, die absolute "Gewaltlosigkeit" des Buddhismus wird in der westlichen Vorstellungswelt gern...
  • Voker Reimann: Hallo Mittrainierende und Suchende, ich muß mich natürlich als Europäer wehemend gegen...
  • TCM Schlaflosigkeit: Die Gesundheit ist unser wichtigstes Gut. Allerdings gerät auch die klassische Schulmedizin...
  • My Homepage: ... [Trackback] [...] There you will find 80233 more Infos: budoten.blog/sandsacktraining-verletzungen-und-richtiges-training/ [...]
  • My Homepage: ... [Trackback] [...] Read More here: budoten.blog/bittere-aprikosenkerne-die-stars-der-naturapotheke/ [...]

LINKS

Produkt-Vorstellungen

Produktsuche bei Budoten

Europäische Schwerter

 
Jean Fuentes Film Dolch - Anduril - Aragorns Dolch
440er Edelstahl, Gesamtlänge 39,5 cm, Klingenlänge 23,5 cm Film Dolch - Anduril - Aragorns Dolch. Es handelt sich um einen Dekorationsdolch, die Klinge ist nicht scharf.

- 440er Edelstahlklinge
- Länge: 36 cm
- Klingenlänge: 23,5 cm
- Gesamtlänge inkl. Scheide: 39,5 cm
- Gewicht: 176 Gramm
- Gewicht inkl. Scheide: 262 Gramm
- Klinge...
 
Brieföffner
Brieföffner, Klinge 10 cm, Antilopen-Spitze Brieföffner (ohne Werbeeindruck) mit Griff aus echter Antilopenhornspitze, 2-Perl-Zwinge und Neusilberplatte als Abschluß.
 
Wandschild 64123
Größe 29 x 20 cm Wandschild mit 2 Degen. Die Wandplatte ist aus Pressspan und Griffteile aus Kunststoff.

Hergestellt in Spanien.
 
Haller Wikingerschwert mit Scheide
Klingenlänge 77 cm, Gesamtlänge 92 cm Die handgeschmiedete Klinge ist aus Kohlenstoffstahl und am Griffende vernietet.
Schaukampftauglich


Hergestellt in Indien.
 
Jean Fuentes Filmschwert William Wallace
Klinge hergestellt aus Edelstahl 107 cm Gesamtlänge, Klingenlänge 78,5 cm Sehr schönes Langschwert aus dem Film Braveheart. Die Klinge ist aus Edelstahl und 78,5 cm lang. Der Griff hat einen Lederüberzug. Das Schwert ist sehr massiv und wiegt 1212 Gramm.

Es handelt sich um ein Dekorationsschwert, die Klinge ist nicht scharf.

- Klingenlänge: 78,5 cm
- Gesa...
 
Urs Velunt Practical Fränkisches Schwert Anderthalbhänder
Klingenlänge ca.: 86,0 cm, Gesamtlänge ca.: 110,0 cm, Gesamtlänge mit Scheide ca.: 119,0 cm, Breite der Parierstange ca.: 18,0 cm Die Klinge ist aus Federstahl geschmiedet, mit einer Rockwellhärte von 50-55°. Sie hat eine Schlagkante von 2,5 mm sowie eine abgerundete Sicherheitsspitze und ist am Griffende vernietet.

Der Griff ist aus Holz und mit Leder umwickelt, Endknauf und Parierstange sind aus Stahl.

Inklusi...
 
Schwert Karl V. 64116
Gesamtlänge ca. 58 cm, Klingenlänge ca. 46 cm, Klingenbreite ca. 1,7 cm Dekoratives Schwert aus der Ritterzeit. Besonders preiswert mit Klinge aus Metallguss.

Hergestellt in Spanien.
 
Haller Wallace
Miniaturschwert, Gesamtlänge 28 cm Dieses Miniaturschwert eignet sich auch sehr gut als Brieföffner. Die Klinge ist aus rostfreiem Stahl.

Hergestellt in Spanien.
 
Haller Dolch Lancelot
Gesamtlänge ca. 40 cm Klinge aus 420er rostfreiem Stahl gefertigt.

Hergestellt in China.