Holzwaffen – worauf es ankommt

Im Waffentraining wünschen sich viele Kampfsportler eine möglichst aus Naturprodukten hergestellte Waffe, d.h. sie sollte möglichst aus Holz sein, da Kunststoff weniger beliebt ist. Dabei wissen aber die meisten überhaupt nicht, worauf sie sich einlassen.

Sie erwarten oft ein Natur-Produkt, dass aber ansonsten die gleichen Eigenschaften aufweist, wie ein Industrie-Produkt: Ein einheitliches Gewicht, ein einheitliches Aussehen, eine einheitliche Länge und Stärke und eine identische Widerstandsfähigkeit.

Dabei wird vergessen, dass Holz ein Naturprodukt ist. Holz ist einzigartig – so wie jeder Mensch auch. Keinen Menschen gibt es zweimal. Ebensowenig gibt es ein Holz zweimal.

In Abhängigkeit von Wetterbedingungen (Trockenheit, hohe Feuchtigkeit, Kälte …) und Standort entwickelt sich das Holz unterschiedlich. Dies wiederum führt dazu, dass neben Holzart-spezifischen Unterschieden auch die Eigenschaften des gleichen Holzes (z.B. Eiche) sehr unterschiedlich ausfallen können.

Eine einheitlich gute Widerstandsfähigkeit kann einfach nicht gewährleistet werden, denn im Holz steckt niemand drin.

Dazu kommt, dass Stöcke weniger nach fest vorgegebenen Normmaßen sondern vielmehr unter Berücksichtigung der Eigenschaften eines jeden Ausgangs-Holzes verarbeitet werden wobei das Hauptaugenmerk darauf gelegt wird, ein möglichst widerstandsfähiges Endprodukt zu fertigen. Dies wiederum führt dazu, dass die Stärken variieren können.

Sogar das Gewicht zwei identisch starker Stöcke kann erhebliche Abweichungen aufweisen. Hierzu müssen wir nur einmal auch an uns selbst denken: Zwei gleich große und gleich alte Menschen weisen in der Regel einen sehr unterschiedlichen Körperbau auf und bringen auch oft ein ganz anderes Gewicht auf die Waage. Dies ist bei Holz nicht anders. Sowie auch jeder Mensch ein anderes Gesicht hat, ist auch das äußere Erscheinungsbild jeden Stockes ein anderes.

Doch ein Aspekt, der vielen wohl am Wenigsten bewusst ist ist der, dass Holz ein lebendiger Werkstoff ist. „Holz lebt,“ sagen die Fachleute. Damit bringen sie zum Ausdruck, dass Holz auch verarbeitet weiter an Gewicht und Volumen zunehmen und ebenso abnehmen kann.

Die Vorstellung, dass ein Stock einen fest genormten Durchmesser und ein spezifisches unveränderliches Gewicht hat, wie man dies von aus Kunststoff hergestellten Stöcken gewohnt ist, lässt sich leider nicht erfüllen.

Holz nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebung auf. Dies führt dazu, dass sich Holz bis zu 21% im Volumen verändern kann. Entsprechende Veränderungen ergeben sich damit auch in Bezug auf das Gewicht. Insofern sind Angaben zu Durchmesser und Gewicht gerade bei Holzprodukten nur als grobe Orientierung zu verstehen und keinesfalls als exakte Beschreibung des Stockes, der dann auch geliefert wird.

Gerade wenn Stöcke – wie z.B. im Arnis, Escrima und Kali – paarweise verwendet werden, wünschen sich viele Sportler zwei identische Stöcke. Sie lassen dabei völlig außer Acht, dass selbst zwei vom gleichen Ast geschnittene Stöcke teils signifikante Unterschiede ausweisen, wenngleich solche Stöcke noch am ehesten zumindest annähernd identisch sind.

Die Sportler weisen darauf hin, wie wichtig es für sie sei, gleich starke und gleich schwere Stöcke zu verwenden, um ihre Kampfkunst „richtig“ ausüben zu können … Es ist zweifellos unbestritten, dass nahezu identische Stöcke den Vorteil haben, dass sie problemlos gegeneinander ausgetauscht werden können.

Während durch den Einsatz von aus Naturholz gefertigten Stöcken ein der ursprünglichen Kampfkunst möglichst nahes Trainingserleben geschaffen werden soll, möchten die Sportler aber offenbar auch den Komfort der Industrie-Produkte bei Naturprodukten nicht missen. Dabei vergessen sie anscheinend, dass ein Naturprodukt eben in keine Normen passen kann.

Gerade wenn wir in die Geschichte der Kampfkünste schauen, ist nirgendwo nachzulesen, dass der im Kampf verwendete Stock ein bestimmtes Gewicht oder einen bestimmten Durchmesser aufwies. Lediglich in Bezug auf die Längen finden sich Maßangaben. Dies wiederum bedeutet, dass die Altvorderen in den Kampfkünsten auf solche Nebensächlichkeiten – die heute aber durchaus wichtig geworden sind – überhaupt keinen Wert gelegt haben.

Dass ein höheres Gewicht oder ein größerer Durchmesser durchaus ein Umdenken erfordern oder mehr Krafteinsatz abverlangen, ist nachvollziehbar und verständlich. Umgekehrt gilt aber auch: Wenn ich meine Waffe nur dann richtig verwenden kann, wenn alle Bedingungen optimal sind, dann beherrsche ich meine Waffe nicht richtig. Der Kämpfer, der sich im Dschungel seinen Stock als Waffe von einem Baum schnitt, hatte keine Zeit, sich nach einem „optimalen“ Ast umzusehen, der zu seiner Hand passte. Er brauchte eine Waffe und musste mit dem kämpfen, was die Natur bot, was in dem Moment zur Verfügung stand.

Anstatt Schwierigkeiten bei der Ausführung der Techniken bei dem nicht optimalen Stock zu suchen erscheint es mir besser, umzudenken: Die Waffe ist ein Werkzeug. Das Werkzeug aber ist immer nur so gut, wie derjenige, der es benutzt. Zweifellos erfordert schlechtes Werkzeug mehr Geschicklichkeit, doch verhindert schlechtes Werkzeug in der Regel nicht, dass das Ziel erreicht wird.

geschrieben von: Neues Unterhaltsames Interessantes von Budoten am: 22.08.2020
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Hier wurde zum Thema gut und ausführlich referiert. Als Vertreter von Ken-Jutsu und Bokkenliebhaber kann ich die Ausführungen zu Holzwaffen nur bestätigen. Ich habe so etliche Bokken aus verschiedenen erlesenen Edel-/Eisenhölzern. Einige doppelt, weil ich gerne Doppeltechniken übe. Auch Stöcke für philippinischen Stockkampf habe ich in verschiedenen Versionen. Und jede Waffe, auch Modelle aus gleichem Holz, hat ihre Eigenheiten, eine eigene Färbung, Unterschiede in der Maserung und sogar eine ganz eigene Struktur der Oberfläche. Klar, wenn man die Holzart kennt weiß man sie bei jedem Bokken sofort zuzuordnen. Man erkennt Eiche, Vorsicht, hier gibt es über 30!! Arten. Lignum Vitae, Cuchi Urundai, Bloodwood,Cocobolo, Bahipalmenholz, Cornelkirschholz, Bloodwood, Sunuke, Tetsuboku, Hickory, Schlangenholz, Ipe, Teak, Ebenholz, usw. Ebenholz hat trotz der sehr angenehmen Oberfläche übrigens die so ziemlich unterschiedlichsten Farbvarianten und Schattierungen. Nicht nur weil es schwarzes und weißes Ebenholz gibt. Holz lebt, ja und es gibt Bokken die möchte man immer nehmen, es gibt Bokken mit denen fühlt man sich irgendwie nicht wohl. Weder für Kata, noch Suburi, noch Kumitachi/Sparring mag man sie nehmen. Holzwaffen eben. Wer mit Holzwaffen nicht so zurecht kommt, mit den separaten Eigenheiten einer Waffe, dem seien Modelle aus Polypropylen empfohlen. Die werden gegossen und sind je nach Hersteller immer identisch. Gibt es auch hier bei Budoten, ein Modell von Ju Sports. Polypropylen ist wartungsfrei, nahezu „unkaputtbar“ und hält ewig. Aber, nicht unbedingt für eingefleischte Traditionalisten, die Holz lieben und ehren. Ich habe mich auch erst ein wenig gewunden, benutze heute aber beides, Holzbokken und welche aus „Poly“. Man muss wissen was man will und die jeweiligen Vor- und Nachteile in Kauf nehmen. Manchmal auch eine Kostenfrage, es gibt Bokken aus erlesenen Hölzern, die kosten 500 bis 600 Euro aufwärts. Und jede Holzwaffe, ich muss es auch betonen, ist ein Unikat. Ich hoffe ich habe mit meiner Ausführung keine Verwirrung gestiftet. Ich wollte Suchenden die Besonderheiten von Holzwaffen verdeutlichen und eine Alternative aufzeigen um ein klein wenig Entscheidungshilfe zu leisten.

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