Gürtelprüfungen im Karate

In welchem Abstand finden die Gürtelprüfungen im Karate statt? Wie lange dauert es bis zur jeweils nächsten Prüfung? Und wie oft sollte man trainieren, um die Abstände einhalten zu können? Bleibt der Abstand mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad gleich? Das sind Fragen, die immer wieder gestellt werden. Anlass für uns, den Sinn oder Unsinn von Prüfungen einmal auf den Grund zu gehen.

Es gibt Vereine / Verbände, die bestimmte Wartezeiten für die nächste Prüfung vorschreiben. Andere tun es nicht. Ich persönlich bin der Meinung, dass es keine feste Wartezeiten geben sollte. Wer gut genug ist, kann die nächste Prüfung angehen.

Echte Wartezeiten gab es früher sowieso nicht. Der Lehrer war immer der Lehrer und der Schüler blieb sein Leben lang in Bezug auf seinen Lehrer (Meister) Schüler. Das Graduierungssytem wurde vom Judo übernommen.

Besonders hier in unserer westlichen Welt wurde das Prüfungssystem noch weiter entwickelt und ausgebaucht. Viele bunte Gürtel markieren die Fortschritte in den unteren Stufen. Viele japanische Karate-Verbände kennen bis heute nur wenige Gürtelfarben. Weit verbreitet ist: Weiß (bis einschließlich 7. Kyu), Grün (bis einschließlich 4. Kyu), Braun (3.-1. Kyu) und Schwarz, wobei teilweise der grüne Gürtel auch nicht genutzt wird.

In der westlichen Welt hat man die Prüfungen auch als Einnahmequelle entdeckt. So wurden teilweise Zwischenprüfungen eingeführt oder die alten Prüfungssysteme überarbeitet. Ja man kann sogar einen gewissen Wettlauf erkennen, wenn es um die Frage geht, „Wer hat das schwerste Prüfungsprogramm?“

Mit schweren Prüfungsprogrammen wollen sich Lehrer, die selbst nicht mehr trainieren schützen. Sie wollen so verhindern, dass ihre Schüler zu schnell im Rang aufsteigen und ihre Lehrer selbst in der Graduierung einholen oder gar überholen können.

Damit einher geht, dass die Prüfungsprogramme Wartezeiten zwischen den Prüfungen festschreiben. Zwischen den einzelnen Kyu-Prüfungen sind es meist mindestens 2 Monate, für die Dan-Prüfungen jeweils der Dan-Grad in Jahren (also erster Dan ein Jahr, zweiter Dan zwei Jahre usw.)

Jede Prüfung ist anders und die Anforderungen steigen. Während es bei den unteren Graduierungen zunächst darum geht, die Bewegung korrekt auszuführen, ist bei den höheren Graduierungen ein vertieftes Verständnis der Technik erforderlich. Man muss für die Technik wirklich den gesamten Körper korrekt einsetzen. Hart und weich, langsam und schnell, Anspannung und Entspannung – alles verbunden durch die richtige Atmung – das ist Karate. Und so leicht das klingt, so schwer ist das.

Deshalb kann man die ersten Prüfungen durchaus nach sagen wir 1 bis 2 Monaten Training (mindestens 2-3 mal wöchentlich) schaffen, während bei den Prüfungen ab braun bereits eine deutlich längere und intensivere Vorbereitungszeit erforderlich ist. Traditionell werden alle Braungurt-Prüfungen auf Dan-Prüfungsniveau durchgeführt.

Doch auch der schwarze Gürtel (erster Dan) ist erst der Anfang. Der 1. Dan gilt als Meister der Grundtechniken, der 2. Dan als Meister der Kombinationstechniken und der 3. Dan wird als „kämpfender Dan“ bezeichnet, da hier der Schwerpunkt auf dem Kampf liegt. Zugleich ist der 3. Dan aber die Graduierung mit der die Schüler erstmals selbst unterrichten durften (JKA). Sie gilt also zugleich als Instructor-Graduierung.

Ich kenne Leute, die nach nur zwei Jahren Training eine gute Dan-Prüfung (erster Schwarzgurt) absolviert haben während andere dafür 10 Jahre benötigt haben und ich kenne Schüler, die nach 5 Jahren noch immer nicht über den Orange-Gurt hinausgekommen sind. Jeder hat sein eigenes Tempo. Jeder hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Doch ganz entscheidend ist der Wille und das Bemühen. Von nichts kommt nichts. Wer nichts gibt, wird auch nichts zurückerhalten. Für die nächste Prüfung muss man kämpfen, hart kämpfen.

Letztlich gilt jedoch eines: Der Weg ist das Ziel. Es ist nicht so wichtig, wo man steht, sondern wie man dorthin gelangt ist. Die gesammelten Erfahrungen sind der eigentliche Schatz und die Quelle aus der wir zukünftig schöpfen, die Basis auf der wir aufbauen. Ohne ein solides Fundament stürzt jedes Haus früher oder später ein, da es keinen Halt mehr hat. So ist es auch im Karate. Die erlernten Techniken bilden die Grundlage. Deshalb sollte man sich nicht treiben lassen, sondern unablässig an daran arbeiten, diese Grundlagen zu verbessern und auszubauen.

Eine Prüfung ist aus meiner Sicht ein Recht des Schülers und sollte nie durch irgendwelche Restriktionen eingeschränkt werden. Wer sich einer Prüfung stellt sollte sich allerdings auch immer darüber im Klaren sein, dass jede Prüfung auch das Recht beinhaltet durchzufallen, ebenso wie die Chance, weiter im Rang aufzusteigen. Je nachdem, welche Leistungen der Schüler bringt, wie gut oder schlecht er sich vorbereitet hat.

Jede Prüfung ist ohnehin nur ein kleiner Meilenstein auf einem langen Weg. Sie dokumentiert den erfolgreichen Abschluss eines Weg-Abschnitts.

Eine Prüfung ist eine Herausforderung, der man sich stellen kann und auch stellen muss. Sie ist das nächste greifbare Ziel und auch eine besondere Herausforderung. Deshalb sind Prüfungen wichtig. Wichtig für den Schüler, dessen Leistungen in einer echten Belastungssituation eingeschätzt werden, aber auch wichtig für den Lehrer, der sieht, wo sein Schüler aktuell steht, wo seine Defizite liegen, wo künftig härter gearbeitet werden muss.

Training in den Kampfkünsten erfordert stets, unablässiges Training vom Schüler und vom Lehrer. Nur so hat der Lehrer das Recht, sich auch weiterhin als Lehrer zu bezeichnen.

Die Schwierigkeit oder der Umfang eines Prüfungsprogramms hat nichts mit den Fähigkeiten des Schülers zu tun. Ein guter Prüfer kann mit einer einzigen Kata den Stand der Schüler beurteilen. Nakayama Sensei sagte immer „Zeige mir nur die Kata Heian Shodan und ich sage Dir wo Du stehst…“ Man braucht also eigentlich weder Wartezeiten, noch schwere oder umfangreiche Prüfungsprogramme. „Die Bedeutung von Zeit ist vergänglich“, sagen die Chinesen, „wir beginnen, wenn wir soweit sind.“

geschrieben von: Neues Unterhaltsames Interessantes von Budoten am: 26.09.2009
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Kommentare

"Die Bedeutung von Zeit ist vergänglich, wir beginnen, wenn wir soweit sind."

Den Spruch find ich toll, den werd ich mir merken.
Eine andere aussage trifft jedoch ebenfalls den Kern.

„Jemand hat mir mal gesagt, die Zeit würde uns wie ein Raubtier ein Leben lang verfolgen. Ich möchte viel lieber glauben, dass die Zeit unser Gefährte ist, der uns auf unserer Reise begleitet und uns daran erinnert, jeden Moment zu genießen, denn er wird nicht wiederkommen. Was wir hinterlassen ist nicht so wichtig wie die Art, wie wir gelebt haben. Denn letztlich […] sind wir alle nur sterblich. “
Jean-Luc Picard ( Patrick Stewart)
Kapitän des Raumschiffs Enterprise

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