25 Jahre Tschernobyl – Wildschweine strahlen noch

25 Jahre nach der Kernschmelze von Tschernobyl sind etwa 1.800 km westlich Waldböden, Pilze und Wildtiere immer noch mit Cäsium belastet. Besonders betroffen ist der süddeutsche Raum, wo jedes zweite Wildschwein zu hohe Strahlenwerte aufweist. Die Strahlenbelastung unterliegt dabei einer starken jahreszeitlichen Schwankung. Während Wildschweine im Sommer den zulässigen Grenzwert von 600 Bequerel oft weit unterschreiten, kann die Belastung in den Wintermonaten durchaus das Doppelte dieses Wertes erreichen. Grund ist das unterschiedliche Nahrungsspektrum. Besonders stark belastet sind Pilze, und die gehören im Herbst zur Lieblingsspeise des Schwarzwildes.


Ordnungsgemäß in den Handel gelangtes Wildbret ist frei von Radioaktivität. Es ist zwingend vorgeschrieben, dass Wildfleisch vor der Vermarktung auf seine Strahlenbelastung untersucht wird. Die Jäger erhalten für jedes belastete Reh oder Wildschwein Ausgleichzahlungen. Die lagen in Deutschland 1998 bei 10.000 DM, 2008 bei 380.000 Euro und 2009 bei ca. 450.000 Euro. Kosten, die aus der Staatskasse vergütet werden.

Prof. Thomas Jung, Leiter der Abteilung Strahlenwirkung und Strahlenrisiko des Bundesamtes für Strahlenschutz, sprach dieser Tage in einem Interview mit dem Deutschlandfunk davon, dass sich die Situation im besonders betroffenen Bayern in den kommenden Jahren wenig verändern werde. „In den Waldgebieten bei den Wildtieren müssen wir noch Jahrzehnte damit rechnen, dass wir eine erhöhte Kontamination haben.“

Wir von Wildtierschutz Deutschland fragen uns, warum es angesichts der hohen Strahlenbelastung insbesondere in Süddeutschland überhaupt eine so intensive Jagd auf Schwarzwild geben muss, wenn etwa die Hälfte der Tiere aufgrund der Verstrahlung entsorgt wird. Auch Entschädigungsgelder könnten sicherlich sinnvoller eingesetzt werden.

Wurden im Durchschnitt der jeweils letzten 10 Jahre 1991/92 pro Jahr in Bayern noch weniger als 10.000 Wildschweine zur Strecke gebracht, waren es 2001/02 bereits 25.000 und zuletzt fast 45.000 Tiere. Die Klagen aus der Landwirtschaft und aus den Gemeinden und Städten über Schwarzwildschäden häufen sich – gleichwohl scheint angesichts der Zahlen die Jagd keine Lösung des (noch lokalen) Problems zu sein. Es gibt vielmehr Stimmen – auch aus dem Kreis der Jäger – die sagen, dass die Jagd nicht unwesentlich zur teilweise unkontrollierten Vermehrung der Schwarzkittel beiträgt. Unterstützt wird diese These von einer im renommierten „Journal of Animal Ecology“ veröffentlichten Langzeitstudie (2009, S.1278-1290), die auf zahlreiche weitere universitäre Arbeiten und Untersuchungen Bezug nimmt. Demnach ist der hohe Jagddruck hauptverantwortlich für die steigende Wildschweinpopulation. Je mehr Jagd auf Wildschweine gemacht wird, insbesondere auf erfahrene Bachen, umso stärker vermehren sie sich.

Eine Lösung in Form der Empfängnisverhütung für Wildschweine ist in Sicht – theoretisch, denn die Widerstände seitens der Jagd sind enorm. Gemeinsam mit dem Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) Berlin bemüht sich Wildtierschutz Deutschland derzeit um die Finanzierung eines wissenschaftlichen Begleitprojektes.

Quelle: openPR

geschrieben von: Neues Unterhaltsames Interessantes von Budoten am: 13.05.2011
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Kategorien: Freizeit, Buntes

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